Vom Social Banking zum Business Case

2018-08-27T11:17:11+00:0021. Juni 2017|

Von Natalia Corrales-Diez

Nach der Finanzkrise waren innovative Finanzprodukte verpönt. Genau mit einem solchen gewinnt die Erste Bank nun aber Vertrauen zurück – und stärkt damit ihre Tradition als Ermöglicher-Bank.

Innovative Finanzprodukte stehen seit der Finanzkrise unter verstärkter Beobachtung. Sie gelten als Auslöser der Turbulenzen, die die Welt in Atem hielten. Trotzdem setzt die Erste Bank mit ihrem „Fund of Excellence“ auf eine neue, unkonventionelle Finanzdienstleistung – und gewinnt damit bei Kunden und Politik verloren gegangenes Vertrauen zurück.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1819 liegt der Ersten Bank das Selbstverständnis zugrunde, Menschen in den Mittelpunkt ihres Handelns zu stellen und ihnen Zugang zu Bank- und Finanzdienstleistungen zu geben, die sie anderswo nicht bekommen. So konnten damals auch „kleine Leute“ ihr hart verdientes Geld bei einer Bank veranlagen, um Geld für den „Notgroschen“ zurückzulegen und um finanziell unabhängig zu werden – ein Novum im damaligen Österreich. Dass diese Tradition auch heute noch Bestand hat, zeigt die Erste Bank mit dem „Fund of Excellence“ – einer ihrer innovativsten Dienstleistungen für Durchstarter und Querdenker.

Am Anfang der Überlegungen stand eine einfache Philosophie: Finanzprodukte um ihrer selbst willen sind sinnlos. Innovation, egal in welchem Segment, sollte ausschließlich einem gesellschaftlichen Mehrwert dienen. Der „Fund of Excellence“ war genau aus diesen Gründen zuerst im Social Banking der Ersten Bank angesiedelt. Heute ist er ein gut funktionierender Business Case.

Vom Social Banking zum Business Case

In seinen Anfängen sollte er für junge Menschen, die kein gesichertes Einkommen und keine Sicherheiten haben, eine Möglichkeit bieten, trotzdem eine Finanzierung zu bekommen. Das hieß für die Erste Bank: einen neuen Zugang ausprobieren, um Menschen zu erreichen, wenn der traditionelle Bankkredit an seine Grenzen stößt.

Auslöser für seinen Weg zum Business Case war dann eine simple Erkenntnis: Persönlichkeit ist der wichtigste Treiber für den Erfolg. Auch wenn Menschen, die beispielsweise gerade ein Studium absolvieren oder an eine Familiengründung denken, kein stabiles Einkommen, keine Sicherheiten oder keinen Bürgen haben, so bringen sie Ambition, Ehrgeiz und eine Vision mit. So investiert der „Fund of Excellence“ heute in Menschen mit aussichtsreicher Zukunft und Persönlichkeit. Keine Rolle spielen hingegen Sicherheiten oder die finanzielle Situation. Wenn das künftige Einkommen niedriger ist als erwartet, verliert der Fund einen Teil seiner Investition. Ist es aber höher als erwartet, partizipiert er am Erfolg des Investees. Das Modell kommt an. Täglich gibt es bis zu zwanzig Bewerbungen von Gründern. Nach derzeitigen Erfahrungen wird in circa 15 bis 20 Prozent der Bewerber investiert. Der „Fund of Excellence“ ist für alle Beteiligten ein Erfolg. Deshalb plant der „Fund of Excellence“ einen Rollout in weitere Länder.

Im Dialog mit Politik und Regulator

Eine weitere Besonderheit des „Fund of Excellence“: Bei der Konzeptionierung wurde von Anfang an mit der Politik und mit der Finanzmarktaufsicht zusammengearbeitet. Das förderte das gegenseitige Verständnis und verdeutlichte vor allem, dass für das Funktionieren eines solchen Finanzierungskonzeptes vor allem Planbarkeit und Stabilität notwendig sind. Denn schon sehr kleine gesetzliche Änderungen können den gesamten Business Case verändern. Durch einen frühzeitigen, offenen Dialog wurde damit der Grundstein für den heutigen Erfolg gelegt.

Auf Augenhöhe begegnen

Der „Fund of Excellence“ zeigt, wie sich Kunden und Politik auf Augenhöhe begegnen können – zum beidseitigen Nutzen. Er ist Ausdruck einer Haltung, die die Erste Bank für sich definiert hat. Diese ist von Respekt, Gegenseitigkeit und Dialogbereitschaft geprägt. Der „Fund of Excellence“ ist somit ein erfolgreicher Business Case, der seine Wurzeln in der Tradition des Unternehmens hat. Er zeigt: Vertrauen ist die Voraussetzung für unternehmerischen Erfolg.

 

Natalia Corrales-Diez hat an der John Hopkins University und an der WU Wien studiert. Als Entwicklungsökonomin arbeitete sie mehrere Jahre im Ausland, darunter bei der UNIDO in Peking und der Inter-American Development Bank in Washington D.C., wo sie an unterschiedlichen Projekten in Südkorea, der Mongolei, Brasilien, Argentinien, Mexiko und Paraguay mitwirkte.
2012 machte sie sich mit dem „Fund of Excellence“ selbständig, an dem sich 2014 zuerst die Erste Bank, die Wiener Städtische und die Erste Stiftung beteiligten. Im Jahr 2017 ist die Erste Group eingestiegen, um den „Fund of Excellence“ in Europa weiter auszurollen. Seit 2004 unterrichtet Natalia Corrales-Diez an der WU Wien und der FH Campus zum Thema „Die Makroökonomie von Finanzkrisen“ und veröffentlichte mehrere Publikationen in deutscher und englischer Sprache.

 

Der Beitrag ist im Juni 2017 in unserem Jahresbrief „Haltung“ erschienen, Thema der Ausgabe ist „Guter Lobbyismus“.  Anlässlich der Gründung unseres Standorts in Wien ist 2017 eine Ausgabe mit Österreichschwerpunkt erschienen.

 

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