Corporate Digital Responsibility: Feigenblatt oder Pflicht für alle Unternehmen?

2018-10-08T16:40:16+00:0024. September 2018|

Es tut sich was in Deutschland. Endgültig sind Begriffe wie Digitale Bildung, digitale Infrastruktur und Künstliche Intelligenz (KI) im politischen Berlin angekommen. Gleich drei Gremien wurden gegründet: Die Enquete-Kommission Künstliche Intelligenz, der Digitalrat und die Datenethikkommission sollen die Bundesregierung in den Zukunftsfragen beraten. In Organisationen wie der Initiative D21 oder der Stiftung Datenschutz werden die Herausforderungen der Zukunft schon etwas länger besprochen; Arbeitsgruppen wurden gegründet, Diskussionsveranstaltungen etabliert.

Ein Thema, das dabei in fast jeder Debatte auftaucht, ist Ethik. Der Ruf nach ethischem und verantwortungsvollem Handeln, das mit in die Digitalisierung überführt werden soll, wird sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft immer lauter: Nicht nur Vertreter von Microsoft forderten erst kürzlich die Politik und andere Unternehmen auf, achtsamer mit der neuen Macht, die mit dem Sammeln von Daten einhergeht, umzugehen. Dabei gilt: Gremien brauchen viel Zeit, um Entscheidungen zu treffen und noch mehr Zeit, um zu handeln. Schnell handeln können derzeit nur die Unternehmen, die bereits jetzt Daten sammeln, verarbeiten und neue Technologien entwickeln, die unser Leben einfacher machen sollen.

Datenethik ist nicht sexy – aber dringend notwendig

Doch was heißt „digitale Verantwortung“ oder „Verantwortung im Digitalen“? Ein Teil ist, Datensicherheit für Kunden und Mitarbeiter herzustellen. Aber: Es gibt nicht nur die eine „Datenethik“. Genauso wenig, wie es die eine Ethik, das eine Set an Werten in der „alten Welt“ gab. Auch im Umgang mit Daten, beim Programmieren von Algorithmen oder konstruieren neuer Technologien wird es diese nicht geben. Algorithmen können nur so ethisch sein wie ihre Programmierer. Und Ethik ist kulturell. Ethik ist wandelbar. Wenn sich ein Unternehmen aber zu bestimmten Werten auch in Bezug auf Daten und Digitalisieren bekennt, diese öffentlich und transparent kommuniziert und im weiteren Verlauf evaluiert, ist es schon jetzt weiter als die meisten anderen.

Geredet wird viel – gehandelt noch viel zu wenig

Uneigennützig muss CDR nicht sein. Im Gegenteil: Übernehmen Unternehmen ihre Verantwortung im Digitalen, können sie dazu beitragen, dass in Europa eine bessere Digitalisierung gelebt wird. Sozial akzeptiert und damit nachhaltig. Verantwortung schafft Vertrauen – und Glaubwürdigkeit: Gegenüber Kunden, potenziellen Mitarbeitern, der Gesellschaft, aber auch der Politik. Langfristig heißt das: Zeigen sich Unternehmen von sich aus an einem Ausgleich im Digitalen, beispielsweise einem verantwortungsbewussten Datenschutz interessiert, kann dies dazu führen, dass zukünftige Regulierungen weniger weltfremd werden – weltfremd, wie es Teile der Datenschutzgrundverordnung bereits sind und Teile der ePrivacy-Richtlinie und der Urheberrechtsreform drohen zu werden.

Wie Unternehmen ihre Verantwortung im Digitalen wahrnehmen, bleibt letztlich ihnen überlassen. Das kann auch im Kleinen beginnen. Sicher ist nur, dass zunehmend alle Unternehmen auch danach bewertet werden. Und eine europäische Digitalisierung wird besser gelingen, wenn sie sozial anerkannt und nachhaltig ist. Die Zukunft zu gestalten, die Initiative zu ergreifen und First-Mover zu sein, würde sich heute besonders lohnen. Denn in den Gremien und auf Veranstaltungen wird zwar schon jetzt viel geredet. Gehandelt, wird bisher aber nur von Wenigen.

Früher hat der große Unternehmer Wohnungen für seine Arbeiter gebaut

Am Ende soll die CDR helfen, die Gesellschaft so zu gestalten, dass ein nachhaltiges Wirtschaften möglich ist. Direkt gewinnen können Unternehmen durch ihre digitale Verantwortung an sogenannten Intangible Assets: Verantwortung und Transparenz schaffen Vertrauen, schaffen Reputation, Mitarbeitermotivation und Kundenzufriedenheit. Vermögenswerte, die Unternehmen brauchen, wenn sie langfristig erfolgreich sein wollen.

Darüber hinaus kann ein weitreichender Mehrwert geschaffen werden: Beispielsweise durch Projekte zur Förderung der digitalen Bildung, bei denen langfristig die Fachkräfte ausgebildet werden, die schon heute jedes Unternehmen sucht. Früher hat der große Unternehmer Wohnungen für seine Arbeiter gebaut, in denen sie fließend Wasser hatten. Heute wäre ein freier Zugang zum Internet für viele ein Luxus.

 

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