2018: Ein deutsches Klimajahr zum Vergessen

2018-12-17T19:13:30+00:0017. Dezember 2018|
Lea Herzog

An diesen Sommer werden wir uns wohl noch in zehn Jahren erinnern. Ganz Europa hat geschwitzt – bei knapp 40 Grad Celsius. Über Wochen. Nicht selten wurde uns in diesem Sommer aufgezeigt, dass die Jahresdurchschnittstemparatur hierzulande seit Anbeginn der Wetteraufzeichnung steigt. Klimaforscher und Meteorologen waren sich sicher, trotz aller ihnen bekannten natürlichen Schwankungen: Die in diesen Sommermonaten gemessenen Temperaturen lagen immer häufiger über den Höchstwerten, die man früher beobachtete.

Hallo Klimawandel: Uns wurde heiß im Sommer 2018

Alle haben es diesen Sommer am eigenen Leib gespürt: den Klimawandel, angekommen im Jahr 2018. Und wenn wir es selbst nicht glauben wollten, haben uns spätestens die Bilder unseres Astronauten auf der ISS, Alexander Gerst, eines Besseren belehrt. Die Hitzewelle hat unser Land ausgetrocknet. In Deutschland brannten Wälder und die Wasserpegel der Flüsse waren so niedrig wie nie zuvor. Das hatte Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft und führte dazu, dass laut einer aktuellen Umfrage des ZDF-Politbarometers 82 Prozent der Deutschen den Klimawandel als ein sehr großes Problem für unser Land bezeichneten.

„Gekrönt“ wurde dieser Hitzesommer mit der Ernennung des Wortes des Jahres am vergangenen Freitag: Heißzeit. Die Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden entschied sich für diesen Begriff, der vor allem im August von Klimaforschern geprägt wurde. Mit der Analogie zu dem Wort „Eiszeit“ erhalte der Ausdruck über die bloße Bedeutung „Zeitraum, in dem es heiß ist“ hinaus eine epochale Dimension und verweise möglicherweise auf eine sich ändernde Klimaperiode, so die Begründung der Jury.

Politische Taten müssen folgen: #COP24

Der Hitzesommer hinterließ große Spuren und es wurde deutlich, dass gehandelt werden muss. Voraussetzungen die anspornen sollten. Auch alle 196 Länder und deren Vertreter, die sich in den vergangenen zwei Wochen zur UN-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz trafen. Bei der Konferenz ging es um die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens aus dem Jahr 2015. Demnach soll die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad, wenn möglich sogar auf 1,5 Grad begrenzt werden. In Kattowitz hatten sich die Staaten zum Ziel gesetzt, ein Regelbuch zu schreiben, mit dem die Leistungen der Staaten zur Eindämmung des Treibhausgasausstoßes transparent und vergleichbar gemacht werden sollen. Zudem ging es um Geld für die ärmsten Länder, um sich gegen die Folgen des Klimawandels zu wappnen.

Eine große Aufgabe, die auch die kleine Schwedin Greta Thunberg kennt. Greta ist 15 Jahre alt und geht seit dem Sommer freitags nicht zur Schule. Denn sie hat sich entschlossen, für den Schutz des Klimas an diesem Wochentag zu demonstrieren. Ihre Geschichte ging um die Welt. Und sie bekam die Chance, zum Auftakt der UN-Klimakonferenz in Kattowitz vor den hochrangigen Vertretern der Länder zu sprechen. Ihre Rede war mitreißend und sie gab eine eindeutige Botschaft an die politischen Vertreter: Ihrer Ansicht nach können wir uns nicht mehr auf die Regierenden verlassen, wenn es darum geht, unser Klima zu retten und unseren Planeten für nachfolgende Generationen zu hinterlassen.

Klimaziele einhalten: Und alle machen mit!

Doch es sollte anders kommen. Nach einer eintägigen Verlängerung der Konferenz präsentierte die Staatengemeinschaft mit großer Entschlossenheit am Samstagabend ihr Ergebnis. Es kam zu Stande, was viele nicht mehr erwartet hatten: Ein Regelbuch führt auf 156 Seiten Maßnahmen und Kontrollen zur Umsetzung der Pariser Klimaziele auf. Unter anderem sollen ab 2020 alle Staaten alle zwei Jahre berichten, was sie konkret leisten, um ihre Treibhausgasemissionen zu senken. Außerdem müssen die Staaten offenlegen, wie sich ihre Emissionen entwickeln. Und alle fünf Jahre soll Bilanz gezogen werden, ob die Anstrengungen der Staaten die Erwärmung wirksam begrenzen können.

Klar, das Ergebnis hätte immer noch deutlicher ausfallen können. Auf den künftigen Umgang mit Marktmechanismen für den Klimaschutz konnten sich die Staaten nicht einigen. Schade! Aber angesichts der Tatsache, dass der Multilateralismus in der Weltpolitik derzeit einen schweren Stand hat und die Weltpolitik geprägt ist von Nationalismus, Abschottung, brechenden Bündnissen und sich auflösenden Wertegemeinschaften, kann man abschließend von einem beachtlichen und zukunftsweisenden Ergebnis sprechen. Das Pariser Klimaabkommen wird weiterleben.

In Deutschland ist noch viel zu tun

Doch ein Blick nach Deutschland zeigt, dass die Politik hierzulande den Ernst der Lage in diesem Jahr verdrängt hat. Die Große Koalition aus CDU, CSU und SPD begann ihre Zusammenarbeit Anfang des Jahres bereits mit einem fatalen Signal für die Klimapolitik. Im Koalitionsvertrag hielten die Parteien fest, dass das einst gesteckte Klimaziel Deutschlands für das Jahr 2020 nicht mehr zu erreichen sei. Im Aktionsprogramm Klimaschutz aus dem Jahr 2015 hatte die Bundesregierung Maßnahmen beschlossen, die sicherstellen sollten, dass Deutschland seine Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 Prozent reduzieren werde. Dieser Plan wurde zu Beginn der neuen Legislaturperiode also über Bord geworfen. Eine fatale Wirkung nach außen, aber auch ein herber Vertrauensverlust in die Arbeit der Bundesregierung innerhalb des Landes.

Da man sich nun sicher war, dass das 2020-Ziel nicht mehr zu erreichen ist, fokussierte sich die Bundesregierung im Koalitionsvertrag auf das Jahr 2030. Dieses Ziel, nämlich 55 Prozent weniger Treibhausgase auszustoßen als 1990, soll in 2019 zum Gesetz werden und damit verbindlich umgesetzt werden müssen. Und nachdem man sich bei der UN-Klimakonferenz im vergangenen Jahr nicht der Internationalen Allianz gegen Kohle anschließen wollte, vereinbarten die Parteien im Koalitionsvertrag, noch in diesem Jahr einen Plan für den Ausstieg aus der Kohle erarbeiten zu wollen. Dazu wurde die Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ ins Leben gerufen – auch unter dem Namen „Kohlekommission“ bekannt. Doch leider verfehlte man das eigene Ziel, noch vor der UN-Klimakonferenz einen Abschlussbericht inkl. Ausstiegsdatum vorlegen zu können. Dabei wäre es doch so wichtig gewesen, als der einstige Energiewende-Vorreiter ein Zeichen in die Welt zu senden. Nun erwarten wir die Ergebnisse Anfang Februar.

Und zu guter Letzt muss ich als Beobachterin feststellen, dass sich die Bundesregierung ausgerechnet zur UN-Klimakonferenz uneinig ist über das eigene Engagement in Sachen Klimaschutz. Während Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) in Kattowitz für ambitioniertere Ziele kämpft, fällt ihr der Kabinettskollege, Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), in den Rücken. Schulze hatte während der Konferenz mit der sogenannten High Ambition Coalition aus Industrie- und Entwicklungsländern eine Erklärung veröffentlicht, die neue Klimaschutz-Zusagen bis zum Jahr 2020 fordert. Altmaier hatte daraufhin zurückhaltend reagiert und darauf verwiesen, dass die Bundesregierung als Ganzes entscheide. Es scheint, als sei sich die Bundesregierung alles andere als einig, wenn es um die Ambitionen des Landes für den Klimaschutz geht.

Den „Anpacken“-Modus in 2019 weiterleben – in Deutschland und der Welt

Jetzt haben wir also ein internationales Regelwerk, welches uns aufzeigt, wie die Ziele von Paris vergleichbar umgesetzt werden können. Ein gutes Zeichen und ein guter Anfang, mit dem die Bundesregierung 2019 weiterarbeiten sollte. Nun heißt es, das Jahr 2018 abzuhaken und die Dinge anzugehen, die schon längst erwartet werden. Der Enthusiasmus, mit dem wir die UN-Klimakonferenz in diesem Jahr beendet haben, muss auch innerhalb Deutschlands wirken und uns bestärken auf unserem Weg der Energiewende. Ich bin gespannt auf das was nun kommen wird – im Jahr 2019.

 

Bild: flickr.com/ESA/A.Gerst, CC BY-SA 3.0 IGO